Prof. Dr. Jochen Lüdicke

Die Aufnahme in die Hall of Fame der Sachwertbranche erfolgte mit der Verleihung des Deutschen BeteiligungsPreises 2021 in der Kategorie Ehrenpreis Persönlichkeit

Laudator: Oliver Porr, Gesellschafter LHI

Sehr geehrter Herr Professor Lüdicke, sehr geehrte Damen und Herren,

es ist mir eine besondere Freude heute mit dem Ehrenpreis Persönlichkeit Sie, Herr Professor Lüdicke, ehren zu dürfen.

Eine Laudation auf den Träger des Ehrenpreises Persönlichkeit halten zu dürfen, ist immer eine besonders angenehme Aufgabe. Das ganz besonders dann, wenn man dem Preisträger im Laufe des Berufslebens immer wieder begegnet ist und viele gemeinsame Zusammenkünfte aus verschiedenen Lebensphasen einem wieder präsent werden.

Geboren in Duisburg entschied sich Jochen Lüdicke nach dem Abitur für ein Studium der Rechtswissenschaften an der Julius–Maximilians-Universität in Würzburg. Auch im Rechtsreferendariat blieb er dem Frankenland treu und verbrachte sein Rechtsreferendariat im Bereich des OLG Bamberg, wobei Würzburg quasi „Dienstsitz“ war. Die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erfolgte dann 1985. Im gleichen Jahr promovierte er zum Thema „Steuerermäßigung bei ausländischen Einkünften“. Obwohl dies nun geradezu der Inbegriff eines weltlichen Themas ist, erwarb er die juristische Doktorwürde für beide Rechte.

Sicher ist es zutreffend, wenn man heute sagt, dass die Tätigkeit am Lehrstuhl Wirtschafts- und Steuerrecht von Professor Klaus Tiedtke einen durchaus prägenden Einfluss auf Jochen Lüdicke hatte. Seinen Doktorvater und Lehrstuhlinhaber zeichnete eine gewisse Publikationsfreude aus und das scheint durchaus ansteckend zu sein. Auch eilte den Assistenten am Lehrstuhl der Ruf voraus, besonders ehrgeizig zu sein. So manche Steuerberaterprüfung wurde neben der Lehrstuhltätigkeit zumindest erfolgreich vorbereitet. Jochen Lüdicke legte diese durchaus schwierige Prüfung in 1986 ab. Dieses inspirierende Umfeld im Schnittpunkt zwischen Zivil- und Steuerrecht erlaubte ihm einen interessanten Berufseinstieg.

In den 1980er Jahren war Peat Marwick Mitchell & Co. – die heutige KPMG – führend in der steuerlichen Konzeptionierung von Kapitalanlagen. Viele auch heute noch bekannte Rechtsanwälte und Steuerberater waren dort tätig. Abermals ein Umfeld, in dem man sich gut entwickeln und viel Neues lernen konnte. Ein steuerkonzeptioneller Hotspot war München und Ende 1987 war die dortige Konzeptionstruppe in die Selbständigkeit entschwunden. So überzeugte man ihn 1987 vom Standort München und er verließ Frankfurt. Bereits 1990 wurde Herr Lüdicke dann Partner bei KPMG Peat Marwick.

1993 wechselte er nach Düsseldorf und wurde Partner in der Sozietät Bruckhaus Westrick Stegemann, heute bekannt als Freshfields Bruckhaus Deringer. Dem Unternehmen blieb er bis 2020 am Standort Düsseldorf verbunden. Bekanntlich haben große Sozietäten gewisse Eigenarten. Mit dazu gehört, dass man bereits in relativ jungen Jahren sich in den Ruhestand verabschieden darf. Und in manchen Kanzleien ist das „Dürfen“ einem „Müssen“ gleichzusetzen. Das führte dazu, dass er sich 2020 mit fünf Kollegen in der Sozietät Lüdicke und Kollegen in Düsseldorf selbständig machte. Die heutige Beratungstätigkeit ist auf die Belange von Familienunternehmen, den Familienunternehmern und Hochvermögensträgern fokussiert. Ein Beratungsbereich, wo sich Zivil- und Steuerrecht intensiv begegnet.

Seine Tätigkeitsschwerpunkte kann man sehr gut aus der großen Zahl von Publikationen ablesen. Fast ist man gemeint zu sagen: Jede Zeit hatte ihre Themenschwerpunkte und auch Jochen Lüdicke musste sich immer wieder neu erfinden und mit der Zeit gehen.

Nur exemplarisch möchte ich aus der Vielzahl von Publikationen das langjährige Standardwerk „Geschlossene Fonds“ nennen, welches in 6 Auflagen erschien. 2004 war er Mitherausgeber des Münchener Anwaltshandbuchs Unternehmenssteuerrecht. Das zusammen mit Sistermann herausgegebene Handbuch „Unternehmenssteuerrecht“ erschien 2018 bereits in der 2. Auflage. Einzelpublikationen wie zum Beispiel zum Medienerlass runden die fachlichen Publikationen ab.

Mitte der 2000er Jahre erfolgten erste Würdigungen als „Lichtgestalt in Steuerstrukturierung bei Private Placements“ und als „Pope of tax driven leasing structures“. Diese Beschreibungen sind natürlich das Ergebnis harter Arbeit als Jurist und Steuerberater.

Aber: erfolgreiche Rechtsanwälte und Steuerberater gibt es viele. Was Professor Lüdicke auszeichnet ist das, was über das Normalübliche hinausgeht. Und da wäre als Erstes eine gewisse Affinität zur Lehre zu nennen.

Nach Beendigung seiner Tätigkeit am Lehrstuhl für Wirtschafts- und Steuerrecht erhielt er seit 1987 aufgrund seiner hohen didaktischen Fähigkeiten einen ersten Lehrauftrag an der Universität Würzburg. In den 1990er Jahren erhielt er dann einen weiteren Lehrauftrag als Dozent an der Bundesfinanzakademie. Ab 2002 ist er dann Lehrbeauftragter an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als Honorarprofessor ist er seit 2011 bis heute aktiv in der Ausbildung der Studierenden tätig und führt in die komplexe Materie des Internationalen Steuerrechts und Außensteuerrechts ein. Hinzukommen Veranstaltungen zum Finanz- und Steuerverfassungsrecht.

Weiter ist Professor Lüdicke bereits seit 2002 im Vorstand des Steuerberaterverbands Nordrhein-Westfalens und ist seit 2012 Präsident des Bundesverbandes der Steuerberater e.V.. Dieser wichtige Verband begleitet unter anderem Gesetzgebungsvorhaben und Herr Prof. Lüdicke setzt sich für die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen der Finanzverwaltung und dem Steuerbürger ein. Diese staatspolitisch überaus bedeutende Thematik kann gar nicht genügend gewürdigt werden.

Weitere ehrenamtliche Tätigkeiten belegen, dass Herr Professor Lüdicke nicht nur umtriebig und vielseitig interessiert ist, sondern stets auch etwas bewegen will. Seine Überlegungen zur jeweiligen Sache werden von ihm durchaus vehement vorgetragen. Er hat keine Angst vor Hierarchien und scheut keine Konflikte. So widersprach er auch einmal der Bundeskanzlerin, als diese im Kontext mit Corona-Freiheitsbeschränkungen ein aus rechtlicher Sicht falsches Staatsverständnis durchblicken ließ. So etwas geschieht bei ihm stets höflich, in der Sache aber unzweideutig und gradlinig. Das perfekt verbindliche Auftreten verleiht seinem Wort stets eine zusätzliche Gewichtigkeit.

Eine besonderes Herzensanliegen ist Herrn Prof. Lüdicke das Miteinander der Religionen. Für ihn ist das jüdische Leben Teil unseres Landes. Er bezieht gegen jeden Hauch von Antisemitismus in aller Deutlichkeit Stellung. Die christlich jüdische Zusammenarbeit unterstützt er tatkräftig. Hierfür wurde er von der jüdischen Gemeinde Düsseldorf mit der Josef-Neuberger-Medaille ausgezeichnet. Es ist die höchste Auszeichnung, die die jüdische Gemeinde an Nicht-Juden vergibt. Andere Preisträger waren unter anderem Johannes Rau, Roman Herzog, Angela Merkel, Frank Schirrmacher und Ulrich Montgomery.

Der Privatmensch Lüdicke macht wenig Aufhebens um sich und seine Familie. Als Vater dreier Kinder hieß es da wohl mehr, stets Vorbild zu sein. Fachliche Präsenz ja, glamouröse Auftritte aber eher nein. Das macht unseren Preisträger sympathisch. Er ist ein Gesprächspartner, der einem etwas mitgibt. Intellektuell, aber vor alle auch menschlich. An dieser Stelle möchte ich mich ausdrücklich für die vielen guten Gespräche in den letzten 30 Jahren bedanken. Stets gut beschäftigt zu sein und doch immer ein offenes Ohr zu haben: Das zeichnet unseren Preisträger aus. Herzlichen Glückwunsch zum Erhalt des Deutschen BeteiligungsPreises in der Kategorie „Persönlichkeit“.