Oliver Porr final hochauflösend 5MBFür Oliver Porr ist 2015 ein Jahr der Veränderung. Ein Team um den LHI Chef hat das Emissionshaus in einem Management-Buy-out übernommen. Nun folgte der Rücktritt als bsi-Verbandschef. Die Redaktion BeteiligungsReport hatte die Gelegenheit, mit Oliver Porr über das Jahr 2015 zu sprechen:

BeteiligungsReport: Dieses Jahr ist nun noch ein Immobilienfonds mit Schwerpunkt Baden-Württemberg von der LHI auf dem Markt. Warum gerade dort?

Oliver Porr: Unser erster Publikums-AIF investiert in Immobilien in innerstädtischen Lagen in Ober- und Mittelzentren Baden-Württembergs. Wir haben für den Portfolioaufbau diese Region gewählt, da Baden-Württemberg zu den wirtschaftsstarken Regionen zählt. Die regionale Ausrichtung, die Auswahl der Objekte und das übersichtliche Zielvolumen spiegeln den Wunsch der Anleger nach verständlichen und bedarfsorientierten Produkten wider.

BeteiligungsReport: Den Fonds haben Sie ja schon länger in Vorbereitung. Wird der Ländle-Fonds der vorerst letzte Publikumsfonds der LHI sein? Ziehen Sie sich aus dem Retailmarkt, wie andere ebenfalls, zurück?

Oliver Porr: Wir ziehen uns nicht aus dem Retail-Markt zurück. Unsere Devise war schon immer, die Produkte auf den Markt zu bringen, die für die jeweilige Zielgruppe geeignet sind. Sollten wir ein Asset, haben bei dem wir finden, dass es sich als Publikums-AIF für Privatanleger eignet, ist die Tür für einen zweiten LHIPublikums-AIF nicht zu.

BeteiligungsReport: Hat sich Ihre Fondsstrategie geändert, als Sie dieses Jahr mit drei weiteren Kollegen die LHI in einem MBO übernahmen?

Oliver Porr: Die Strategie der LHI hat sich mit dem MBO nicht geändert. Das Publikumsgeschäft ist ein Teil der Geschäftsfelder der LHI, hat aber prozentual immer einen geringen Anteil am gesamten Transaktionsvolumen gehabt. Von den 149 Investmentprodukten der LHI sind 29 Publikumsfonds und 120 Produkte für professionelle und semiprofessionelle Investoren. Seit Inkrafttreten des KAGB und der Geldschwemme der EZB hat sich dieser Trend noch verstärkt. Es ist ungemein kompliziert geworden, die Renditeanforderungen der Publikumsfondsanleger mit den Marktpreisrealitäten im Assetbereich unter einen Hut zu bekommen.

BeteiligungsReport: Was ist mit den Retailanlegern los, weil sie ihr Geld auf Festgeldkonten zu Nullzinsen bunkern? Ist das schizophren, oder hat die Sachwertbranche einen tiefgreifenden Vertrauensschaden angerichtet?

Oliver Porr: Ohne Zweifel hat die Branche einen erheblichen Vertrauensschaden erlitten. Anleger haben viel Geld verloren. Die schlechten Nachrichten werden so schnell auch nicht enden. Gute  Anlageerfolge werden in einem negativ geprägten Umfeld kaum noch wahrgenommen. Dass man sich als Privatanleger dann eher vorsichtig verhält, ist verständlich. Aber der Vertrieb zu Beginn des 4. Quartals 2015 zeigt, dass wieder investiert wird. Wenn die Produkte jetzt nur noch von einem geringeren Anteil an Privatinvestoren angenommen werden, finde ich das eher beruhigend: Es kann nur im Sinn der Branche sein, wenn auch regulierte Produkte in die geeigneten Anlegerhände kommen. Sie sind eben nicht für jeden Kleinanleger geeignet. Das war der größte Fehler der Vergangenheit, dies nicht deutlich genug gemacht zu haben.

BeteiligungsReport: Was ist der Reiz an institutionellen Kunden, die ja immer mehr nach Sachwerten Ausschau halten?

Oliver Porr: Mit institutionellen Investoren können wir uns auf Augenhöhe abstimmen, welches Asset für welchen Spezial-AIF gekauft wird. Anders als im Retailbereich kennen wir unsere Kunden persönlich. Die institutionellen Investoren hhaben nach wie vor mit der Niedrigzinspolitik zu kämpfen. Sie suchen alternative Investitionsmöglichkeiten, und da sind Sachwerte eine sehr gute Alternative. Unser Marktzugang, unsere Erfahrung und unser Assetmanagement-Know-how sind die Gründe, mit uns zusammen zu arbeiten.

BeteiligungsReport: Ist eine LHI, die verstärkt auf institutionelle Investoren ausgerichtet ist, in zwei oder drei Jahren noch mit der LHI von heute vergleichbar?

Oliver Porr: Die LHI ist auf passgenaue individuelle Konzepte für unsere Kundengruppen ausgerichtet. Das ist unser Mehrwert, den wir Unternehmen und Investoren bieten. Es gibt nicht das Produkt für den Investor X oder Y. So unterschiedlich die Investoren sind, so unterschiedlich müssen die Produkte für sie sein. Das wird auch in Zukunft die LHI ausmachen. Trotzdem wird sich die LHI natürlich weiter entwickeln. Wir beobachten den Markt genau und versuchen zu antizipieren, welche Anforderungen die Investoren morgen haben werden. Darauf werden wir uns einstellen und entsprechende Produkte generieren. D.h., die LHI wird sicher keine komplett andere sein, aber die Produkte werden sich anpassen.

BeteiligungsReport: Im Markt hört man, dass Sie auch in der Verbandsarbeit beim bsi einen Schritt zurücktreten werden. Hängen diese Steps mit den gerade getroffenen Aussagen zusammen?

Oliver Porr: Ja, es ist zutreffend, dass ich mein Vorstandsmandat beim bsi niedergelegt habe. Hierfür gibt es verschiedene Gründe. Erstens war ich fast zehn Jahre im Vorstand und davon rund acht Jahre Vorsitzender. Nach diesen vielen Jahren ist es nun an der Zeit für einen Wechsel. Das tut jedem Verband gut. Die Phase der Transformation in eine regulierte Welt ist abgeschlossen. Sicher wird es immer neue regulatorische Herausforderungen geben, aber dann könnte ich ja nie aufhören. Und ich gebe die Aufgaben in gute Hände. Der seit Jahresanfang neu zusammengesetzte Vorstand hat seine Arbeitsfähigkeit zwischenzeitlich bewiesen. Die jetzt abzuarbeitenden Themen werden sich verstärkt in verschiedenen Sachebenen finden. Die verschiedenen Welten des Publikums-AIF und die des Spezial-AIF können von einer Person als Vorsitzenden nicht mehr abgedeckt werden. Mit meinem Rücktritt habe ich den Weg für eine Doppelspitze frei gemacht. Zudem spielt natürlich auch der MBO eine Rolle. Als Eigentümer werden die Aufgaben in einem Unternehmen ja nicht weniger, und ich schulde es meinen Gesellschafterkollegen, dass ich zu 100 Prozent zur Verfügung stehe.

BeteiligungsReport: Sie haben ja als Verbandschef und Branchenkenner einen sehr guten Überblick. Wie sehen Sie die Entwicklung von geschlossenen Investmentvermögen auf die nächsten fünf Jahre?

Oliver Porr: Geschlossene Investmentvermögen insgesamt werden nach wie vor ihre Bedeutung am Markt haben. Die Zahl der angebotenen Produkte und insbesondere der Spezial-AIF wird steigen. Im Bereich der Publikums-AIF werden wir aber sicherlich nicht mehr an die Zahlen der Vergangenheit anknüpfen können. Bei den Produkten für professionelle und semi-professionelle Investoren sehe ich sehr gute Wachstumschancen. Die Niedrigzinspolitik wird noch eine Zeit anhalten, d.h., Anleger müssen ihre Anlagestrategie prüfen. Dabei sind geschlossene Investmentvermögen zwar kein Wundermittel, jedoch eine sehr gute Alternative.